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IRAK
 

Gleich zu Beginn geht es in den Irak. Ein Verletzter ist aus Basra (im Süden des Irak) zu evakuieren. Der Luftraum über dem Irak wird nach wie vor von den Amerikanern kontrolliert. Bei unserem Erstanruf bei „Bagdad Control“ werden wir militärisch streng angewiesen „Okay, all I want you to say is your Callsign“ und kurz darauf ein “proceed as cleared“.



Als wir uns Basra nähern werden unsere „request descent“ beharrlich ignoriert. Lediglich auf FL290 lässt man uns unmittelbar vor Basra sinken. Der Zeitpunkt für einen normalen Descent aus FL400 war längst überschritten und wenige Meilen vor dem Platz verabschiedet man uns mit einem freundlichen „continue your descent VFR, contact Basra and have a save landing“.

Das folgende Manöver erinnert mich an die „extreme Gefahreneinweisung“ im Rahmen meiner Fluglehrerausbildung, nur dass statt mit 70kt jetzt mit über 300kt geflogen wird. Das Variometer längst am Anschlag, Spoilers draußen, Engines selbstverständlich idle und in steep turns runter um möglichst über dem gesicherten Flughafen die Höhe abzubauen. In Bodennähe und wenige Meilen vor der Piste bauen wir Geschwindigkeit im Horizontalflug ab. Flaps 8, Gear down, Flaps 14, Full Flaps und schon sind wir unten. Das wäre einmal geschafft!

 

Nach der Landung auf dem Airport, stellen wir fest, dass wir weit und breit der einzige Flieger sind. Die Taxiways sind hier namenlos und auch der Tower möchte offensichtlich, dass wir selbst herausfinden wo wir hinmüssen und gibt verschlüsselte Anweisungen. „Do you see the apron on your right side? Continue! There is a guy in a yellow jacket waiting for you... can’t miss him.”

 

Tatsächlich taucht in der Ferne ein Mann mit gelber Signalweste auf und winkt uns freundlich herbei. Als wir die Kabinentüre öffnen, nähern sich mehrere Mitarbeiter von SkyLink Handling und begrüßen uns überschwänglich herzlich als kämen wir gerade rechtzeitig zur Party. „Hallo friends! Welcome to Basra! How are you? Everything okay with you guys? Hope you had a good flight!“ Händeschütteln, freundliches Lächeln und wohlwollendes Nicken. Der eine ist Amerikaner der andere ist Brite und der irakische Tankwart fängt unmittelbar mit dem Betanken des Fliegers an.

Ich will die Stimmung nicht verderben, dennoch frage ich nach, ob hier wirklich alles so ruhig in der Gegend sei. Das Lächeln verschwindet aus den Gesichtern. „No, I am afraid it is definitely not. We had 10 deaths in the last 14 days. Two days ago a missile hit the terminal bulding.” Er zeigt auf den Pier direkt neben uns: “You still can see the impact - that black hole over there.” Seine Stimme wird ernst und sehr eindringlich: “So listen – I really mean that seriously. When you hear the alarm or see anyone of us run – you better follow!” Jetzt erst fallen mir die Betonverschläge auf, die alle paar Meter aufgestellt sind und Schutz bei Raketenangriffen bieten sollen.

 

Der Krankenwagen fährt vor und Party kommt wieder in Schwung. Große kräftige Burschen in sandfarbenen Uniformen und kugelsicherem Brustpanzer und MGs bilden die Partygesellschaft. Mit typisch trockenem britischen Humor wird der Kollege aus Südafrika vom Krankenwagen in unseren Flieger verladen.

Permanent macht irgendwer einen Scherz oder eine dumme Bemerkung. „Oh yes, indeed -  I really think they don’t like us here… hmm, I still wonder why.“ Sein Kollege zu mir: „I have two more weeks left here – and what I learned in my time here is… to run an hide!” Allgemeines Gelächter “Oh yes, he can run...”

 

Plötzlich ein verdächtiger Pfiff und sofort richten sich die Blicke der Soldaten in die Richtung aus der das Geräusch kam. Kurz Stille. Nach wenigen Sekunden wird wieder weitergescherzt. Falscher Alarm.

 

Große Verabschiedungszeremonie und jeder von uns wird wie ein Familienmitglied, welches erstmals von zu Hause wegfährt, mit guten Wünschen und Ratschlägen überhäuft. Wieder wechselt die Stimmung unmittelbar auf ernst. Kräftiger Händedruck, gerader Blick tief in die Augen und Schulterklopfen: „Have a safe trip home and take care!“

Der Tower will auch diesmal Funkstille einhalten und nicht mit uns kommunizieren. Keine der üblichen Abläufe mit Startup, Clearance und Taxi instructions. Erst als wir selbständig zur Startbahn rollen meldet sich der Turm von sich aus kurz und bündig. „After departure, sharp left turn out, climb vfr direct to your exit point and contact control – good luck!“ Alle Lichter aus, Vollgas und nix wie weg von hier.

 

Blick auf die Ölfelder von Basra. Trügerisch romantisches Bild im Abendrot der Wüste mit den Pumpstationen an denen aufsteigendes Gas abgefackelt wird. Über die Hälfte der Erdölreserven des Irak liegen in dieser Gegend. Bei 140.000 Barrel pro Tag und einem Ölpreis von über $100 kommen hier täglich US$ 14 Mio aus dem Boden gesprudelt. Wer kann da noch an "die Befreiung des irakischen Volks" als Kriegsgrund glauben?

 

Nach wenigen Minuten sind wir bereits aus dem irakischen Luftraum draußen und über Kuwait.
Zwei nächtliche Tankstopps in Dschibuti und Tansania und bei Sonnenaufgang landen wir in Südafrika.
 


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